Lorch

- Lorch. Quelle: LAD
Landschaftlich gehört die Weinstadt Lorch an der Mündung der Wisper bereits ganz zum Mittelrhein. In politischer und kultureller Hinsicht zählen sich die Lorcher aber noch gerne zum hessischen Rheingau. Nicht ganz unberechtigt, ist doch der Ortsteil Lorchhausen die nördlichste Gemeinde des Bundeslandes am Mittelrhein. Auch im Mittelalter war Lorch als nördlicher Eckpfeiler des Bistums Mainz Richtung Rheingau orientiert.
Eine besondere Episode der Grenzlage waren die Jahre nach dem ersten Weltkrieg, als Lorch "Hauptstadt" des Freistaates Flaschenhals war. Der Grund: Die Siegermächte hatten mit Koblenz und Mainz als Mittelpunkt mittels Zirkelschlag ihre Besatzungsgebiete festgelegt. Die beiden Linien oberhalb und unterhalb der Stadt berührten sich nicht. Das ausgesparte flaschenhalsähnliche Gebiet blieb außerhalb der besetzten Zone.
Von den Römern "Laureacum" genannt, ist Lorch eines der ältesten Rheinstädtchen. Erstmals im Jahre 1085 urkundlich erwähnt, wurde durch Bodenfunde bestätigt, dass frühere Siedlungen in keltischer und römischer Zeit bestanden.
Zahlreiche romantische Fachwerkhäuser in den mittelalterlichen Gassen mit ihren Torbögen, Winkeln und Nischen machen den Charme der Stadt aus. Sehenswert ist darüber hinaus die katholische Pfarrkirche St. Martin aus dem 13. Jahrhundert mit ihrem kostbaren, geschnitzten Hochaltar. Der gotische Neubau wurde über den Resten einer noch teilweise erhaltenen spätromanischen Basilika errichtet. Als "schönster Renaissancebau am Mittelrhein" ist das Hilchenhaus aus der Mitte des 16. Jahrhunderts bekannt.
Interessant sind auch der trutzige Strunk, ein alter Befestigungsturm von 1527 und das Leprosenhaus mit Rundturm. Hoch über der Stadt liegt die Ruine von „Burg“ Nollig, ein bewohnbarer Wachturm, der Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung war. Das Heimatmuseum der Stadt beherbergt eine beachtenswerte Sammlung mittelalterlicher Skulpturen.


