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Auf der „Fliegenden Brücke“: Eine Fährmannsgeschichte

In bis dahin nicht gekannter Geschwindigkeit überquert die Fähre den Rhein: Ein Anker in Strommitte hält die „Fliegende Brücke“ auf Höhe. In Abhängigkeit von der Ruderstellung bewegt die Strömung sie von einem Ufer zum anderen. Die „Schiffbrück’“ selbst besteht aus zwei großen Nachen, auf denen eine Plattform - verstrebt mit einer Portalkonstruktion – befestigt wurde. Man schreibt das Jahr 1532, als der Schiffmann Peter Menges aus St. Goar für jährlich zehn Gulden und ein Hofkleid zum „Schiffbrückendiener“ bestellt wird.

 

„Seit dieser Zeit war ein Menges immer Fährmann – auf der „Fliegenden Brücke“ oder mit großen Fährnachen. Das Amt ging vom Vater auf den Sohn über“, erzählt Klaus Hammerl, Chef des Fährunternehmens Menges-Hammerl in St. Goarshausen nicht ohne Stolz.

Es ist die Zeit, in der das große und reiche Hessenland auf Burg Rheinfels in St. Goar seine Verwaltungszentrale errichtet und befestigt. Die Fährleute transportieren Soldaten, Pferde und Geschütze für Exerzierübungen auf die andere Rheinseite und liefern die Truppen-Verstärkung für Rheinfels an. Auch 90 Jahre später während des 30-jährigen Krieges sind es militärische Beweggründe, die für die neuerliche Errichtung einer „Fliegenden Brücke“ sorgen.

 

In einer Festschrift zum 200-jährigen Bestehen des Familienunternehmens 1994 hat Hammerl einen Überblick zur Fährgeschichte bei St. Goar von der Zeit der Kelten und Römer bis heute zusammengestellt. 1794 markiert für ihn den Punkt, auf den er die offizielle Gründung des eigenen Fährbetriebs zurückführen kann. In jenem Jahr nehmen die Franzosen mit Rheinfels in St. Goar die letzte Festung der Hessen ein und legen zur Sicherung der Rheingrenze die „Fliegende Brücke“ still.

Eine erhebliche Behinderung für das tägliche Leben in den Schwesterstädten mit ihren zahlreichen verwandschaftlichen und wirtschaftlichen Beziehungen: Die Bauern von der rechtsrheinischen Taunushöhe zwischen Wisper und Lahn tragen ihre Waren auf den St. Goarer Markt, St. Goarer Winzer wechseln täglich die Seiten, um ihre Weinberge auf der rechten Rheinseite zu bebauen, die Katholiken aus St. Goarshausen besuchen die Messe in St. Goar. 1794: Christof Menges, genannt „Brückenmenges“, und ein weiterer ehemaliger Brückengehilfe sehen es als ihre Aufgabe an, den Fährbetrieb mit Nachen wieder einzurichten – illegal zunächst, aber geduldet.

 

Für Klaus Hammerl ist die Beschäftigung mit der 2500-jährigen Fährgeschichte am Rhein mehr als nur Ahnenforschung. Der gelernte und diplomierte Maschinenbauer, der eigentlich Geschichte studieren wollte, sieht vor allem die enge Verflechtung des Fährbetriebes mit Technik-, Kultur- und Zeitgeschichte. „Fähren stellen einen der ältesten, untrennbaren Bestandteile kultureller Identität dieser einzigartigen Landschaft dar“, so Hammerl. 

 

„Zur Inflationszeit 1923 rannte Fährmann Felix Menges täglich mit Zigarrenkisten voller wertloser Geldscheine zur Bank oder zum Kohlehändler. Statt Fährgeld nahm er lieber Lebensmittel oder Kohle“, erzählt er. „In dieser Zeit hätte der Betrieb nicht ohne den Weinbau überlebt.“

„Erst die Loreley V, die fünfte maschinengetriebene Fähre des Betriebs, hat ab den 60er Jahren die Familie ernährt“, weiß Hammerl, selbst Jahrgang 1964. Die Doppelendfähre war 1959 ein echtes Novum am Mittelrhein, ähnlich wie die erste Dampffähre, die der Uhrahn Jakob Menges 1868 an den Rhein nach St. Goarshausen geholt hatte. 2003 wagte sich Klaus Hammerl, mittlerweile Inhaber des Familienbetriebs, an einen weiteren Neubau: Er ließ eine 15 Meter breite und 50 Meter lange Fähre konstruieren, die bereits jetzt auf das stetig zunehmende Gewicht von Autos und Lkw vorbereitet ist. Sieben Mitarbeiter halten den Fährbetrieb heute am Laufen: wochentags ab 6 Uhr, sonntags ab 7 Uhr, an Festivaltagen endet der Übersetzverkehr nach Bedarf.

 

Denn mag dem Rhein auch dieser Tage gelegentlich eine trennende Wirkung nachgesagt werden: Zumindest in der Geschichte gab es diese Trennung nicht, weiß der Fährmann.

 

Wie Weniges vereinen Fähren Tradition mit modernster Technik. Wie nichts anderes unterstreichen die Fähren die Unversehrtheit des Welterbes Mittelrheintal. Und das ohne jedweden Eingriff in diese „Landschaft wie aus einem Dichtertraum.“ (Kleist)

„Fähre Loreley“, der Name des Betriebs seit der Umfirmierung, steht dafür.

 

Kontakt

Fähre Loreley

Klaus Hammerl

Bahnhofstraße 15

56346 St. Goarshausen

Tel.: 06771/2620

Fax: 06771/2404

Bordtelefon: 0171/4104512

E-mail: info(at)faehre-loreley.de

Web: www.faehre-loreley.de

 

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